Gibt es in der bildenden Kunst einen thailändischen Sonderweg, weil das Königreich Siam im Zeitalter des Kolonialismus des 18. und 19. Jahrhunderts weder von England noch von Frankreich kolonisiert worden ist?
In den zeitgenössischen, darstellenden Künsten spielt die Frage nach dem kolonialen Erbe bzw. der durch die Kolonialmächte geraubten Kunst aktuell eine herausragende Rolle. Brian Curtin diskutiert in seinem Buch Essential Desires: Contemporary Art in Thailand (London: Reaktion Books, 2021) einleitend, ob die Transformation des Königreichs Siam im 20. Jahrhundert in einen Nationalstaat mit einer konstitutionellen Monarchie seit den 1930er Jahren einzigartig im südostasiatischen Raum ist.

Wie einzigartig ist thailändische Kunst, wenn sie an Kunstbewegungen der Moderne anknüpft?
Wie kann Thainess nach der Jahrtausendwende visualisiert werden?
Lokale Praktiken des Reisanbaus aus Nord-Thailand werden künstlerische Invention
Sakarin Krue-On aus dem nord-thailändischen Mae Hong Son mit Tempeln und angrenzenden Reisfeldern erregte auf der documenta 12 2007 internationale Beachtung. Er legte Reisterrassen vor dem Schloss Wilhelmshöhe oberhalb von Kassel an. Das Terrassed Rice Fields Art Project wurde von der Kunstkritik vielfach besprochen. Zweifelsohne wurde Sakarin Krue-On dadurch global in der Kunst bekannt. Er bearbeitete damit auch seine Herkunft aus der von verschiedenen Bergvölkern bewohnten Region. Es leben dort Minderheiten wie die Karen, Lahu, Lisu, Lua, Miao und Pa-O.

Curtin stellt die Arbeit in den Kontext der „localized practices and emblems of the history of a nation“ und damit in die Debatte um Thainess. Denn er sieht in der Arbeit eine Erkundung von „ideas of cultural identiy and context“. (S. 76)
15 Jahre nach Sakarin Krue-Ons Debut auf der Weltkunstausstellung documenta ist er mit Baan Noorg Collaborative Arts and Culture mittelbar in Kassel wieder in einer performativen Arbeit präsent. Denn er gehörte 2011 zu den Gründungsmitgliedern der ländlichen Kulturinitiative. Baan Noorg บ้านนอก ist ein Nomen für ländlich. Zeitgenössische Kunst wird auf diese Weise nicht nur in der Hauptstadt Bangkok in Galerien ausgestellt. Sie wird vielmehr in einem kommunikativen Prozess in ländliche Bereiche getragen.

Galerien und Museen für zeitgenössische Kunst in Bangkok
Skarin Krue-On wird in Bangkok durch Tang Contemporary Art in der River City Bangkok,
23 Soi Charoenkrung 24 vertreten. 2018 erhielt der thailändische Künstler eine Solo-Ausstellung in der Tang-Hauptgalerie in Peking.
Bruce Scott nannte 2020 die 10 besten Kunstgalerien in Bangkok. Er platzierte River City Bangkok auf den zweiten Platz. Denn hier finden sich gleich mehrere Galerien wie Tang Contemporary Art zu einer Art thailändischen Handelszentrum für antike, traditionelle und zeitgenössische Kunst zusammen.
Anders gesagt Skarin Krue-On ist als einer der renommiertesten thailändischen Konzeptkünstler im globalen Kunstmarkt angekommen.
Über weitere Entwicklungen in der zeitgenössischen Thai-Kunst halten wir Sie auf dem Laufenden.
Ihr
Doc Siam
PS: Es ist aufschlussreich, wie die Frage der Thainess nicht zuletzt in der Thai-Gastronomie ausgebaut wurde und die Reiskultur dort wie in der Kunst eine initiale Funktion einnimmt.