Thailands König Rama X. – das Digital Age am Starnberger See

Seinen 70. Geburtstag feiert heute am 28. Juli 2022 vermutlich am Starnberger See Maha Vajiralongkorn Phra Vajiraklaochaoyuhua (มหาวชิราลงกรณ พระวชิรเกล้าเจ้าอยู่หัว), der König von Thailand. Von der Boulevardpresse und selbst dem Spiegel wird dieses Verhalten des reichsten Königs der Welt als Marotte angesehen. Völlig unbedacht bleibt dabei, ob und dass der König von Thailand heute ebenfalls im Digital Age lebt und arbeitet.

Alle Finanz- und Regierungsgeschäfte des Oberhaupts der Chakri Dynastie lassen sich heute ebenso gut, wenn nicht noch sicherer von einer der Villen am Starnberger See führen wie aus dem Palast in Bangkok.

Die stundenlangen Krönungszeremonien am 5. Mai 2019 in Bangkok zeigten, dass die Dauer und, nennen wir es, Gemächlichkeit von der thailändischen Coronation Ceremony gewiss die Aufmerksamkeitsspanne nicht nur der Thailänder*innen weltweit überbeanspruchte. Kaum jemand nimmt sich heute noch die Zeit, den geheimnisvollen Zeremonien vollständig zu folgen. Das mag zu Zeiten der Krönung von Elisabeth II. aus dem Hause Windsor im Medium Fernsehen noch anders gewesen sein.

Was ist die Funktion der thailändischen Krönungszeremonie?

Die Krönungszeremonien bestehen darin, dass in hierarchischer Abfolge den Göttern bwz. Buddha und den Mönchen wie dem König Respekt erwiesen wird. Es geht um die symbolische Anerkennung der Macht, die in Orden, Goldbrokat und vergoldetem Thron materialisiert wird. Ganz im Gegenteil zur Operettenfantasie vom Land des Lächelns lächeln der König und die Königin von Thailand dabei überhaupt nicht. Der König von Thailand soll vielmehr eine buddhistische Ruhe und Gelassenheit im Gesicht zeigen.

In der Boulevardpresse wird Rama X. immer wieder mit seinem Vater Rama IX., Bhumibol Adulyadej, verglichen. Die Volksnähe Bhumibols wird zur Ferne Mahas in Beziehung gesetzt. Dabei schimmern immer die europäischen Fantasien von Franz Lehárs Operette Land des Lächelns (1929) oder Richard Rogers und Oscar Hammersteins Musical The King and I (1956) in den Boulevardtexten durch. Denn auch Bhumibol lächelte bei seiner Krönung am 5. Mai 1950 nicht. Doch das sah kaum jemand.

Die geheimnisvolle Ferne des Königs, die Unkenntnis über seinen Aufenthaltsort stärkt seine imaginäre Macht. Der König übt seine Macht überall aus, indem er nirgends lokalisiert werden kann. Im Digital Age hat diese Praxis der Macht nur noch zugenommen.

Ihr

Doc Siam